Trainingspause: Warum Erholung zum Plan gehört

Katja Mangold
Trainingspause: Warum Erholung zum Plan gehört

Die Saison ist gefahren, die Beine sind müde, der Kopf auch. Trotzdem fühlt sich eine Pause für viele wie ein Rückschritt an. Warum Erholung zum Training gehört und wie du die freie Zeit so nutzt, dass du im Frühjahr wirklich Lust auf mehr hast.

Die kurze Antwort

Eine Trainingspause ist Teil des Plans, kein Verlust. Erholung findet auf mehreren Ebenen statt: Ruhetage, Entlastungswochen und eine längere Pause nach der Saison. Ein bis zwei ruhige Wochen kosten weniger Form, als viele befürchten, und geben Körper und Kopf Zeit, sich neu zu sortieren.

Erholung hat mehrere Zeitskalen

Erholung ist nichts, was erst ansteht, wenn gar nichts mehr geht. Sie begleitet dich das ganze Jahr, nur in unterschiedlicher Länge:

  • Tage: Ruhetage nach harten Einheiten. Hier wird aus Belastung Anpassung.
  • Wochen: Entlastungswochen mit weniger Umfang, oft nach drei bis vier Wochen Aufbau. Sie verhindern, dass sich Müdigkeit unbemerkt aufsummiert.
  • Saison: Eine längere Pause nach dem letzten Höhepunkt, die Offseason. Weniger Struktur, mehr Spielraum.

Wer die kleinen Pausen ernst nimmt, braucht die große seltener als Notbremse. Und wer die große bewusst plant, startet ausgeruhter in die nächste Vorbereitung.

Kopf aus, Rad aus: mentale Entkopplung

Eine Pause erholt nur dann, wenn sie auch im Kopf stattfindet. In der Forschung heißt das mentale Entkopplung: gedanklich Abstand nehmen von Trainingsplan, Wattwerten und Segmentzeiten. Das gelingt nicht, wenn die freien Abende sofort mit etwas anderem vollgepackt werden.

Fülle freie Trainingsstunden nicht mit mehr Arbeit. Und hol keine ausgefallenen Stunden nach.

Was stattdessen guttut, ist individuell: Zeit mit Familie und Freunden, Bewegung ohne Ziel und Uhr, ein Spaziergang statt der Intervalle. Und, zugegeben, auch mal das Sofa.

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Über Pausen haben Andrea Jeschke und ich auch mit Tim Farin gesprochen – für „Asphalt und Köpfchen“, den Radsport-Newsletter der Apotheken Umschau. Beitrag lesen →

Zeit für das, was liegen geblieben ist

Das Knie, das seit Juli meckert. Der Rücken nach langen Ausfahrten. Die Sitzposition, die „eigentlich schon lange mal“ angeschaut werden sollte. In der Saison wird so etwas gern verschoben. Die Pause ist der richtige Moment, solche Beschwerden gezielt untersuchen zu lassen.

Auch ein Blick auf die Blutwerte kann sinnvoll sein. Welche das sind, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt, nicht ein Online-Paket mit 40 Parametern.

Und dann ist da der Blick nach vorn. Die Offseason eignet sich gut, um Krafttraining aufzubauen oder wieder aufzunehmen. Kräftige Muskulatur macht dich auf dem Rad stabiler, schützt vor Überlastung und tut deinem Stoffwechsel gut. Bevor die Vorbereitung startet, hilft außerdem eine Standortbestimmung: Wo stehst du nach der Pause, und welche Trainingsbereiche passen jetzt?

Passende Leistung · Diagnostik Leistungsdiagnostik

Dein Standort für die neue Saison: Trainingsbereiche aus der Messung statt aus der Faustformel, auf dem Radergometer, dem Laufband oder optional auf deinem eigenen Rad. Mit einem Re-Test im Frühjahr werden deine Fortschritte sichtbar. Persönlich in Merdingen.

Essen in der Pause

Weniger Training heißt nicht, dass jetzt die große Diät beginnt. Erholung braucht Energie: für Reparatur, für das Immunsystem und für die Muskulatur, die du behalten möchtest. Eine aggressive Diät in der Pause bremst genau das, wofür die Pause da ist.

Sinnvoll ist, die Portionen sanft an die geringere Aktivität anzupassen und dabei auf Hunger und Sättigung zu hören. Eiweiß bleibt wichtig, gerade wenn du Krafttraining einbaust. Und zeigt die Waage nach ein paar Wochen ein Kilo mehr, ist das oft schlicht Glykogen mit Wasser. Gute Speicher sind ein guter Start in die Vorbereitung.

Wie sicher ist das? Gut belegt. Ausdauerfähigkeiten bauen sich bei völliger Trainingspause messbar ab, in den ersten ein bis zwei Wochen aber nur wenig. Wer locker in Bewegung bleibt, verliert noch weniger. Was in wenigen Wochen nachlässt, kommt im Aufbau meist zügig zurück.

Das Wichtigste in Kürze
  • Erholung gehört das ganze Jahr zum Training: Ruhetage, Entlastungswochen, Offseason.
  • Eine Pause wirkt erst richtig, wenn auch der Kopf abschaltet.
  • Freie Trainingsstunden nicht mit Arbeit füllen und nichts nachholen.
  • Die Pause ist der Moment für aufgeschobene Beschwerden, Krafttraining und eine Standortbestimmung.
  • Portionen an Aktivität, Hunger und Sättigung anpassen, keine Diät in der Pause.
Katja Mangold
Autorin Katja Mangold · Nutrition, Health & Performance

Ernährung, Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit – gemessen, wissenschaftlich eingeordnet und verständlich erklärt.

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Grafik: © Jakob Hauser / W&B

Quellen & Grenzen

Grenzen: Wie lang und wie aktiv deine Pause sein sollte, hängt von Saison, Belastung und Lebenssituation ab. Anhaltende Erschöpfung, Leistungseinbruch trotz Ruhe oder Schmerzen gehören ärztlich abgeklärt.

  1. Mujika I, Padilla S. Detraining: loss of training-induced physiological and performance adaptations. Part I. Sports Med 2000; 30: 79–87.
  2. Kellmann M et al. Recovery and performance in sport: consensus statement. Int J Sports Physiol Perform 2018; 13: 240–245.
  3. Meeusen R et al. Prevention, diagnosis, and treatment of the overtraining syndrome: joint consensus statement of the ECSS and the ACSM. Med Sci Sports Exerc 2013; 45: 186–205.
  4. Sonnentag S, Fritz C. The Recovery Experience Questionnaire: development and validation of a measure for assessing recuperation and unwinding from work. J Occup Health Psychol 2007; 12: 204–221.
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